Reale Sprit-Verbrauchswerte bis zu 46 Prozent höher / Extrem hohe Diskrepanz auch bei Elektro-Autos / Ergebnisse auf autobild.de/ Aktuelle Vorabinformation aus Heft Nr. 8, Erscheinungstermin 26.2.2010
Autohersteller geben unrealistische Sprit-Verbrauchswerte für ihre Modelle an. Das
beweisen Testergebnisse, die AUTO BILD zusammengetragen hat und in der am Freitag
erscheinenden Ausgabe (Heft 8/2010) präsentiert. AUTO BILD hat 100 Automodelle einem
Verbrauchs-Check unterzogen und so teils enorme Abweichungen von Herstellerangaben
festgestellt. Besonders Öko-Modelle schneiden schlecht ab: So verbraucht etwa der
Ford Fiesta 1.6 TDCi Econetic laut Hersteller im Schnitt 3,7 Liter Diesel. Im Test
genehmigte sich der Kleinwagen allerdings 5,4 Liter - das sind fast 46 Prozent mehr.
Der Opel Corsa 1.3 CDTI Selection verbrauchte statt der angegebenen 4,1 Liter
schlussendlich 5,6 Liter - satte 37 Prozent mehr.
Auch die Herstellerangaben bei Elektro-Autos weichen deutlich vom realen Verbrauch
ab, denn wirkungsgradbedingte Ladeverluste treiben die Stromkosten in die Höhe. So
verbraucht der Mitsubishi i-MiEV 21,2 Kilowattstunden. Der vom Hersteller angegebene
Wert liegt bei 11,1. Der reale Verbrauch ist also um 91 Prozent höher. Noch krasser
fällt die Diskrepanz nur beim Smart Fortwo electric drive aus: 26,5 Kilowattstunden
verbraucht der Elektro-Mini - statt wie angegeben 12,2 Kilowattstunden, also ganze
117 Prozent mehr.
Es gibt aber auch Autos, bei denen die Herstellerangaben realistisch sind - allen
voran der Hyundai iX55 3.0 V6 CRDi. Bei ihm liegt die Abweichung bei zwei Prozent.
Auch die Spritverbräuche vom Landrover Defender 110 und vom Mercedes G 280 CDI L
weichen nur knapp drei Prozent von den Werksangaben ab. Vorbildlich zudem die
Autobauer aus Wolfsburg: Insgesamt vier Volkswagen finden sich in den Top 10 der
Hersteller mit der geringsten Abweichung.
Hintergrund: Die Hersteller prüfen mit standardisierten Testverfahren, die
allerdings unrealistisch sind: Jedes Auto muss einen knapp 20-minütigen Fahrzyklus
absolvieren. Vollgas wird beim standardisierten Verfahren nicht gefahren. AUTO BILD
testet den Verbrauch dagegen deutlich realitätsnäher: Jeder Testwagen absolviert eine
Vergleichsfahrt auf einem genau definierten Rundkurs. Dieser ist 155 Kilometer lang
und besteht aus Stadt-, Land- und Autobahnabschnitten. Auf der Autobahn gilt: Eine
Teilstrecke wird Vollgas gefahren, die restliche Strecke konstant mit 120
Stundenkilometern. Zu Beginn und am Ende der Messung wird jedes Auto randvoll
getankt.
Die 100 größten Verbrauchslügner gibt es auch im Internet unter
www.autobild.de/verbrauch. Die Liste enthält alle von AUTO BILD getesteten Fahrzeuge
aus den Jahren 2009 und 2010.